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Impact vermeintlicher Kosenamen

Noch während meines Studiums arbeitete ich als Werkstudentin. Während dieser Zeit kam es dazu, dass mir einer der Projektleiter, für die ich gearbeitet hatte, den Inhalt einer E-Mail erklärte, damit ich meine Aufgaben daraus ableiten konnte. Ich verstand nicht direkt, was er meinte, also fragte ich nach. Ich wollte meinen Job ja richtig machen. Leicht genervt meinte er: „Ach Püppi, so schwer ist das doch nicht.“ Er erklärte es mir ein weiteres Mal.

 

Da stand ich nun. Ich merkte, dass ich mich leicht versteifte. Und noch etwas spürte ich. Ich fühlte mich irgendwie unglücklich. Unglücklich darüber, dass ich  nicht sofort verstand, was er von mir wollte. Dabei war ich doch die Werkstudentin, der man einen Job angeboten hatte, die mehr Freiheiten hatte als andere, die Teammitglied war. Und irgendwie war dieser Ausdruck Püppi auch verletzend. Herabwürdigend meiner Leistungen und zusammenfassend degradierend auf ein Ding, welches keinen eigenen Kopf hat. Ein Spielzug halt. Auch wenn ich weiß, dass insbesondere dieser Projektleiter große Stücke auf meine Fähigkeiten legte und in dem Moment gar nicht von mir, sondern von dem allgemeinen Stress genervt war, so sitzt es tief genug, um sich Jahre später dran zu erinnern. Und ich frage mich, warum mich diese eine kurze Aussage so aus der Bahn geworfen hat, anstatt es einfach als das abzutun, was es eigentlich war: eine Reaktion in einer stressigen Situation, die gar nichts mit mir zu tun hatte.  

Aber als so ziemlich einzige in diesem Büro, auf die „Püppi“ auf Grund meines Geschlechts zutraf, konnte es nur gegen mich gerichtet sein. Damals hätte ich gerne irgendwie reagiert. Stattdessen hörte ich mir stumm die zweite Erklärung an und machte meinen Job. Mit etwas mehr Lebenserfahrung und deutlich mehr „von dir lass ich mir gar nichts mehr sagen“-Einstellung hätte ich einen zotigen Spruch auf den Lippen gehabt von wegen: „Wer bitte ist denn Püppi?“ Oder: „Du siehst aber nicht aus wie Ken!“ Einfach einen dummen Spruch ohne Inhalt, der aber kurz stutzig macht. Vielleicht hätte ich mir auch gesagt, diese Kraft spare ich mir. Das prallt direkt ab und hätte weitergemacht.

 

Nur hätte ich dann das Thema auch einfach vergessen können und es würde nicht mehr tief sitzen. Aber als Frau in einer männlich dominierten Arbeitsumgebung, möchte Frau nichts falsch machen. Das Gefühl jeder Fehler führt zu einer Bewertung der Fähigkeiten auf Grund des Geschlechts und nicht der Leistung schwebt ständig über uns. Wenn ich mir die Frage stelle, warum viele Frauen mehr leisten können als ihre männlichen Leidensgenossen, dann einfach, weil sie es wollen. Und so auch ich, ich wollte besser als meine Kollegen sein, ich konnte das und ich war unbeirrbar. Deswegen traf mich diese scheinbare Kritik auch so heftig. Für meinen Kollegen war es ein kurzer Ausschnitt meiner bisherigen Arbeit, für mich war es die Bewertung meiner gesamten Leistung. Das konnte ich so nicht stehen lassen. Ich arbeitete also noch mehr. Und als ich ging, fragte Mann sich, wie sollen wir das ohne sie schaffen. Kein anderer Werkstudent könnte je meinen Platz einnehmen. 

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