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Meine blauen Haare gehören zu mir.

Blaue Haare, Zita Katharina Eggardt, Zita K. Eggardt, the female word

Ich trage derzeit blaue Haare. Und manchmal ist auch pink oder lila dabei. Eigentlich sollte das unerheblich sein, schließlich trage ich auch mal rote Schuhe oder ein gelbes T-Shirt. Aber stimmt schon, bunte Haare fallen halt recht schnell auf. Ich fand das früher schon so richtig cool, habe mich aber einfach nicht getraut.  Sie sind eindrücklich und irgendwie unnormal. Vielleicht ziehe ich jetzt damit die Aufmerksamkeit anderer auf mich. Das ist OK. Ich kann wieder damit umgehen.

 


Mit High-Heels kann Frau auch Aufmerksamkeit bekommen

Als ich 15 oder 16 war, erlaubte mir meine Mutter endlich Absatzschuhe zu tragen. Ich hatte sie über Jahre hinweg anflehen müssen und argumentiert mit: „Ich mache doch schon soo lange Ballett, ob (halbe) Spitze oder Absatzschuh, was macht denn den Unterschied?“ In meinem Kopf gab es keinen, in ihrem Kopf offensichtlich schon. Wie dem auch sei, endlich kaufte Sie mir mein erstes Paar High-Heels. Und von da an gab es kein Halten mehr. Ob in der Schule, in der Freizeit, beim Holz schleppen oder auf Reisen, überall mussten die Schuhe mit. Schuhe wurden mein Lifestyle, mein Lebenselixier. Egal wie bunt, wie hoch, wie außergewöhnlich, ich liebte sie alle. Im Abibuch mussten wir uns mit drei Wörtern beschreiben, bei mir steht: Ich kaufe Schuhe.

Meine erste Transformation nach dem Abitur

Zum Ende des Abiturs hin, gewöhnte ich mir ab, das nette Mädchen zu sein. Die Meinung anderer wurde mir egaler. Ich wollte ich selbst sein und nicht die Person, die andere meinten, dass ich sei. Ich blieb höflich distanziert, kam häufiger mit meiner Meinung raus, ließ mir ein Tattoo stechen und fing an, in einer Autowerkstatt zu arbeiten. Dort legte ich zum ersten Mal die Absatzschuhe ab. Sie waren wohl sicherheitstechnisch nicht die erste Wahl. Ich zog zum Studieren nach Hamburg und schrieb mich an der Technischen Universität für das Maschinenbaustudium ein. Die Absatzschuhe im Gepäck. Und da war ich plötzlich. Ein Mädchen unter fast ausschließlich Kerlen. Selbst wenn sie mich nicht darauf aufmerksam gemacht haben, so fällt Frau automatisch auf.

Es dauert bis Frau sich selbst findet

Zumindest hatte ich das Gefühl ein Alien zu sein. Also passte ich mich an. Als erstes tauschte ich meine lauten High-Heels in bequeme Turnschuhe. Jetzt machte ich zumindest niemanden mehr auf mein Kommen aufmerksam. Dann fing ich an von Röcken und Kleidern und vielleicht einem eher unkonventionellen Kleidungsstil (manche fanden ihn wohl schräg) auf Jeans und Pulli umzusteigen. Jetzt fühlte ich mich angepasster. Irgendwie gemäßigter. Meine Personality konnte ich ja auch anders zeigen.

Nach dem Studium fing ich an zu arbeiten. Als Ingenieurin bei einem Automobilzulieferer schaute ich mir den Dresscode der anderen an. Ich mag es zur Arbeit zu gehen und anders als in meiner Freizeit gekleidet zu sein. Daher setzte ich bewusst auf Blazer und Bluse, anfangs noch Jeans. Mit zunehmender Selbstsicherheit setzte ich dann mehr auf den Figurbetonten Pencilskirt und holte auch Stück für Stück wieder meine High-Heels aus dem Schrank. Ich kaufte mir bunte Etui-Kleider mit wilden Mustern und trug Blusen in allen Formen und Farben. Ich fand wieder zu mir zurück. Meine Personality kam wieder hervor.

Die sache mit den blauen haaren

Ich spielte mit dem Gedanken meine Haare blau zu färben. Da ich aber in einer sehr konventionell traditioneller Branche unterwegs war, hob ich mir das auf. Und somit habe ich jetzt endlich blaue Haare. Ich werde auch mal als Punk bezeichnet oder gefragt, wann das wieder weggeht. Aber ganz ehrlich, ich liebe es. Ich schaue es an und denke mir: Ja! Das ist es!

Irgendwie habe ich dadurch noch mehr gelernt wieder ich selbst zu sein und bleibe diesmal hier für immer. Um Anerkennung zu erfahren und für meine Leistungen wertgeschätzt zu werden, muss ich nicht in Uniform rumlaufen, egal wie diese aussieht. Ich wünschte, ich hätte das schon viel schneller realisiert und mich von der Meinung anderer nicht bezüglich meiner Werte korrumpieren lassen. Klar falle ich auf, aber das lässt mich auch leichter einen Fuß in jede Tür stellen. Denn manchmal ist anders sein einfach nur anders sein. 

 

Was macht dich anders? Hinterlasse mir doch deine Antwort in einem Kommentar! 

 

Hab einen wundervollen Wochenstart! 

Deine Zita 

 

 

Bild Copyright: Studioline Harburg

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