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Der Männerjob

Danke. Ein Wort, welches mehr Wirkung zeigt, als die meisten anderen. Heute am Weltfrauentag möchte ich Danke sagen. Denn ich bin dankbar für die Welt, in der ich Leben darf. In der ich mich frei entfalten kann.

Warum mir das gerade jetzt so in den Kopf steigt? Dazu möchte ich eine kurze Anekdote mit euch teilen:

 

Letztens saß ich mit meiner Mutter und ihrer Nachbarin zusammen und wir tranken Tee. Meine Mutter erzählte ganz stolz, dass ich ja mal in einer Autowerkstatt gearbeitet hätte und ich richtig Reifen wechseln kann. Ihre Nachbarin erzählte uns daraufhin, dass sie früher Automechanikerin werden wollte. Sie fand das spannend und interessant und ihr war völlig klar, dass ihr Traumberuf ist. Nach der Schule ging sie also zu einem Beratungszentrum und erklärte, ich möchte Automechanikerin werden. Die Beratungsstelle teilte ihr dann mit, dass dies ein reiner Männerberuf sei und sie als Frau, diesen nicht ergreifen könne. Ebenso wenig wie ihre Zweitwahl als Malerin. Daraufhin fragte die Nachbarin dann, aber was kann ich dann werden? Man einigte sich auf einen Bürojob. Dort wollte sie eigentlich nie landen. Im Büro. Sie wollte etwas Praktisches machen und nicht wie ihre Schwester im Büro sitzen. Aber hatte sie eine andere Wahl? In der DDR der 1960er/70er Jahre offenbar nicht.

 

Meine Mutter und ich, wir waren platt. Obwohl meine Mutter noch ein paar Jährchen älter als ihre Nachbarin ist, hatte sie das so auch nicht erlebt. Ich wusste gar nichts damit anzufangen. Ich hatte Mitgefühl, aber wirklich nachvollziehen konnte ich es nicht. Heute in der westlichen Welt kann ich jeden Beruf ergreifen, den ich möchte. Ich habe mich damals bewusst gegen eine Ausbildung zur Automechanikerin entschieden. Ich glaubte, ich wäre an meine körperlichen Grenzen gekommen. Also studierte ich direkt und zwar das was ich wollte, wie ich wollte, wo ich wollte. Ich bin dankbar für die Taten unserer Vorreiterinnen. Manchmal vergesse ich das zwar, aber dann kommt es direkt wieder zurück in Form einer kleinen Anekdote wie der von der Nachbarin meiner Mutter. Doch obwohl ich viele Privilegien nutzen kann, so entstehen doch immer wieder Situationen, in denen mir Grenzen aufgezeigt werden, auf Grund meines Geschlechts. In denen mir Fähigkeiten aberkannt werden, weil ich eine Frau bin. Das Schlimme ist, desto mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto erschreckter bin ich auch. Und ich will auch gar nicht anfangen, mit weniger Bezahlung oder der Salzsteuerin. Das ist nicht das Thema. Stattdessen fühle ich tiefe Verbundenheit mit den Frauen, die sich für uns eingesetzt haben; die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um unsere Rechte zu verteidigen; die sich überhaupt erst stark gemacht haben, für unsere Rechte. Die Rechte, die wir heute dankbar annehmen. Die wir erweitern, um letztendlich richtig gleichberechtigt und viel wichtiger gleichgestellt zu sein. Ich nehme mir vor, dass ich zukünftig noch häufiger Danke sage. Danke an meine Mutter, die uns mit ihrem freien und unabhängigen Spirit alle Möglichkeiten offengehalten hat; danke an die Mutter meines Exfreundes, dir mir sagte, ich sollte nicht stolz auf meine Bildung, sondern dankbar dafür sein; danke an meine Oma, die einen Führerschein hat und mein Opa nicht; danke an meine Freundinnen, die mich bestärken, ich selbst zu sein, danke an all die tollen Frauen, die für Ihre Sache kämpfen. Danke! 

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