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Warum die Aussage einer Lehrerin meinen Plan auf den Kopf stellte.

Eigenes Foto TUHH Gebäude

„Du studierst Maschinenbau? Das hätte ich dir gar nicht zugetraut…“

Meine ehemalige Klassenlehrerin bei der Abiverleihung meiner Schwester.

Wie ich mich danach gefühlt habe? Das sitzt bis heute ziemlich tief. Erst einmal wusste ich gar nichts darauf zu antworten. Ich meine, hallooo, ich bin eingeschrieben und angenommen und auch ganz gut dabei gewesen. Nicht Jahrgangsbeste oder so, aber gut genug für mich. Habe ich mich jemals in einem technischen Fach gesehen? Nein, auf gar keinen Fall! Ich habe Physik abgewählt, sobald ich konnte. Ich würde mich rückblickend als grottenschlecht bezeichnen. Einmal musste ich mit einer Freundin über Stunden hinweg von der Klasse Aufgaben rechnen lassen, die wir ausgewählt haben. Und natürlich haben wir sie vorher gelöst…. Nicht. Ich habe nicht mal verstanden, worum es ging und hatte einfach nur Glück, dass die Klasse super mitgemacht hat und uns nicht sprichwörtlich im Regen hat stehen lassen.

Ich war also aufgebracht und irgendwie traurig. Wieso zweifelte diese Person so stark an mir und meinen Fähigkeiten? Und warum lasse ich das eigentlich so sehr an mich ran.

Doch kommt Zeit kommt Rat. Je weiter ich mit dem Studium fortschritt, desto mehr packte mich der Ehrgeiz, es zu schaffen. „Der zeige ich es jetzt erst recht!“ skandierte ich in meinem Kopf und zog weiter in den Kampf. Ich suchte mir einen Job an einem Forschungsinstitut und fing an Theorie und Praxis in meinem Kopf zu verknüpfen. Vor den gefürchteten Mechanikklausuren sagte ich mir, es gibt nichts, was du nicht schaffen kannst. Mein Praktikum machte ich in einer Werkstatt für Nutzfahrzeuge. Ich wollte handwerklich mit anpacken. Semester für Semester lernte ich mehr. Strukturierte mich neu und wusste eigentlich nicht so recht, wofür. Ich konnte das Ende sehen, aber es war auch beängstigend. Was wollte ich eigentlich danach? Ich hatte keine Ahnung. Dennoch kam der Tag, an dem ich fertig war. Der Bachelor war geschafft und ich wechselte mein Hauptfach. Ich wollte ganzheitlicher unterwegs sein, nicht als Spezialist in einem Gebiet. Ich wollte Managementtheorien lernen und mich mit den Menschen beschäftigen. Ich wollte alle Optionen haben und am Ende abwägen, welche die Richtige für mich ist. Ein Semester im Ausland, um Spanisch zu lernen. Ein Job in einem Unternehmen, bei dem ich meine Masterarbeit schreiben kann. Und direkt nach dem Studium anfangen zu arbeiten.

 

An dieser Stelle zitiere ich mal eben Konfuzius: „Der Weg ist das Ziel“. Früher fand ich den Spruch doof. Was heißt das überhaupt. Der Weg ist das Ziel. Viel zu philosophisch und irgendwie unergründlich. Nichts für mich jedenfalls. Ich habe ja ein Ziel vor Augen. Ich werde Ingenieurin. Ich zeige es jetzt allen, dass ich das kann. Moment mal, wer sind denn jetzt plötzlich alle? Eigentlich zweifelte doch bisher nur meine ehemalige Lehrerin an mir. Trotzdem fühlt es sich an, als würden überall Zweifler stehen. Also nochmal für meinen Kopf: „Denen zeige ich es jetzt erst recht!“ Zurück auf Anfang, mein Ziel vor Augen, ich werde Ingenieurin. Und dann? Vielleicht hat Konfuzius doch recht? Vielleicht bin ich jetzt auf dem Weg und ich erkenne zwar ein grobes Ziel, aber die gesammelten Schritte sind viel wichtiger als das einzelne Ziel. Tja, jetzt bin ich also Ingenieurin. Was genau das bedeutet, kann ich gar nicht sagen. Ich bin stolz auf mich und dankbar für die Möglichkeiten. Ich freue mich jeden Tag und schaue kein einziges Mal auf meine Entscheidungen zurück. Aber was das Ziel ist? Das weiß ich noch nicht. Aber wenn ich jemals meine alte Lehrerin wiedertreffe, dann kann ich heute sagen: Danke, für Ihre Zweifel. Ohne diese, hätte ich nicht dagegen angekämpft. Ich wäre jetzt nicht da, wo ich bin. 

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