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Wie ich lernte, mich als Expertin anzuerkennen.

Ich bin Expertin für Kreativität und Arbeitsplatzdesign. Genauso bin ich Expertin für Unternehmenskultur. Und an dieser Stelle maße ich mir an, mich auch als Expertin für Feminismus und Diversität zu bezeichnen. Einfach, weil ich es kann. Leider ist mir dies am Anfang meiner Selbstständigkeit gar nicht so bewusst gewesen. Ich bin rausgegangen und habe mir gesagt, ach komm. Du probierst das jetzt einfach mal. Wenn es nicht funktioniert, dann kommt was anderes. Und das war schon mein erster Fehler. Ich glaubte zwar irgendwie an mich, aber so richtig halt doch nicht. Ich hatte weniger Erfahrung als viele andere, zumindest im Bereich des Coachings.


Wie sich meine Sichtweise plötzlich änderte.

Meine Webseite war ungefähr 6 Wochen online, ich hatte angefangen mich zu vernetzen und das erste Angebot rausgeschickt. Ich bekam Werbeanfragen, offenbar war ich ein gefundenes Fressen für andere Berufsgruppen. Mein Thema war aktuell und relevant und irgendwie wollte es jeder, aber doch irgendwie niemand. Doch dann saß ich mit einer Freundin einer Freundin an meiner SEO. „Hey wow, du promovierst ja in dem Thema, das solltest du auch spielen. Dann wirst du doch erst recht wahrgenommen!"

Ein zögerliches, naja wenn du meinst, verließ meine Lippen. Denn ja, ich promoviere in dem Thema, aber ich habe ja noch nicht den Abschluss darin. Warum sollte mich das zu einer Expertin machen?

Und dann kam die Erinnerung.

Als ich mit meiner Promotion anfing, argumentierte ich gegenüber meinem Professor: „Ich will Expertin für Innovation und Kreativität werden.“ Und zwei Jahre später spielte er den Ball zu mir zurück: „Wenn Sie über das Thema reden, dann merkt Ihr Gegenüber, dass Sie tief in der Materie drinstecken und sie die Theorie verinnerlicht haben. Jetzt geht es darum, dieses Wissen empirisch nachzuvollziehen."

Ich war also schon Expertin. Ich hatte das nur zwischendurch verdrängt. Ich begann mich auch so zu verkaufen. In meinen Gesprächen erwähnte ich meine Promotion, auf meiner Webseite ebenfalls und das einfach so nebenbei und ließ das dann mal wirken. Bisher ist das gut angekommen, niemand hat an meinem Können gezweifelt. 

Warum zweifelte ich also an meinem Können?

Als ich noch in meinem Corporate Job war, argumentierte ich ständig mit meinem Chef darüber, wie wir was wo auf welcher Folie schreiben müssen, um was auch immer irgendwie zu erreichen. Klingt ziemlich sinnlos, war es auch. Es passierte, dass ich anfing mich zu fragen, warum ich diesen Job mache, wenn er es doch besser weiß. Dabei war er kein ausgebildeter Innovationsmanager und hatte auch mit meinen Themen nicht so viel zu tun. Im Gegensatz zu mir, die über Innovationsmanagement zumindest viel gelesen und sich mit den entsprechenden Kollegen vernetzt und und bisher einen ziemlich guten Job gemacht hat. Ich konnte das also alles.

Dennoch war es war nicht verwunderlich, dass ich irgendwann so genervt von den Diskussionen war und davon, ständig alles falsch zu machen, dass mir der Kragen platzte. Also warf ich meinem Chef in einer hitzigen Diskussion folgendes an den Kopf: 

 

"So langsam frage ich mich, warum sie mir diesen Job gegeben haben.“ Wohlwissend, dass ich hier gerade mal wieder meinen Job riskierte. Aber es wunderte mich einfach, dass ihm dieser Gedanke noch nicht gekommen war. 

 

Er guckte mich an und nach recht langer Pause, in der ich mich schon meine Sachen packen sah, fragte er: „Wie meinen Sie das denn jetzt?“. 

 

Ich: „Naja, wenn ich alles falsch mache und Sie alles besser wissen, warum mache ich dann diesen Job und nicht Sie?“ 

 

Er: „Sie machen doch gar nicht alles falsch.“ 

 

Ich: „Aber ich habe das Gefühl, dass ich alles falsch mache. Ich bekomme nur Kritik zu hören. Kein Lob oder Danke.“

 

Er: „Hm. So habe ich das noch nie gesehen. Naja, diese Folie finde ich ziemlich gut. Sehen Sie, es ist ja nicht alles falsch, ich habe nur eine andere Meinung.“

 

Ich: „Ja, das mag sein. Dennoch bin ich hier die Expertin, sollten Sie nicht auf meine Meinung vertrauen?“

Was dann passierte, überraschte mich sehr.

Durch das Mistrauen meines Chefs verlor ich zeitweise mein Vertrauen in meine Fähigkeiten. Offenbar war ihm das nicht bewusst und sein demotivierendes Verhalten hatte ihm bisher niemand gespiegelt. Als ich ihm aber sagte, dass es mich demotiviert und ich mich frage, warum ich also diesen Job habe, begann er nachzudenken. Er begann auch – zumindest mir gegenüber – mich einfach mal machen zu lassen. Ich weiß noch bis heute, wie ich die erste Präsentation ohne Anmerkung seinerseits zurückbekam und es nicht richtig glauben konnte: Kein einziger Kommentar, was ich ändern sollte. Ich hatte es geschafft. 

 

Und so erging es mir nun auch in meiner Positionierung. Das Feedback meiner Bekannten, brachte mich dazu wieder in meine Fähigkeiten zu vertrauen. Ich wusste wieder warum ich diesen Job machen will. Wieso es mir wichtig ist. Und noch viel wichtiger: Ich konnte mich nun als Expertin anerkennen. Mensch ich arbeite seit mehr als vier Jahren mit Kreativität und dem Anleiten von Menschen zusammen. Ich habe unzählige Workshops zu verschiedenen Themen moderiert, konzipiert und analysiert. Alleine, zu zweit, im Team. Mit Führungskräften, Fremden und Kollegen. Ich kann das. Und ich akzeptiere das.

Erkenne deine Fähigkeiten an

Als Frau in der Wirtschaft, in der Frau oftmals übersehen wird, sich Gehör verschaffen muss und zahlreiche Mansplaining Situationen sowie dumme Sprüche von verkappten Chauvinisten über sich ergehen lassen muss, da ist es nicht leicht, zu sich und seinen Fähigkeiten zu stehen. Sich derer aber auch bewusst zu werden und aktiv über sich selbst und die eigenen Leistungen zu reden. Umso wichtiger ist es, sich Verbündete zu suchen, sich auszutauschen und Lob von anderen anzuerkennen. Statt Zweifel gesät zu bekommen. Schließlich sagt Kritik und auch Lob viel mehr über den Geber als über den Empfänger aus. 

 

Und wenn das noch nicht hilft. Dann vielleicht folgendes: 

Es gibt einen Grund, warum du diesen Weg gewählt hast und wieso du jetzt da bist wo du sein willst. Und klar, bei einzelnen war Glück dabei, bei mir auch immer mal wieder. Ich glaube auch an Schicksal und daran, dass alles so kommt wie es kommen soll. Dennoch bestimmst du selbst wie du mit deinem Glück und Schicksal umgehen und ob du die Chancen, die dir gegeben werden, ergreifst. Wenn du mit Leidenschaft über ein Thema redest und es dich einfach nicht mehr loslässt, dann lauf dem hinterher und nimm es an. Egal, was andere dazu sagen. 

 

Hab einen wundervollen Start in den Tag, 

deine Zita

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