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Wie funktioniert eigentlich Gleichstellung bei der Feuerwehr?

Letztens erzählte mir mein Freund, dass die Feuerwehr Hamburg im Zusammenhang mit den Rassismusvorwürfen der Bremer Feuerwehr ein Statement zu Rassismus, Diskriminierung und Frauenfeindlichkeit abgegeben hat. Dieses Statement wurde von 5 weißen Männern unterschrieben. Im Verlauf der folgenden Diskussion haben wir uns gefragt, wie eigentlich die Gleichstellung bei der Feuerwehr funktioniert. Ja, es gibt einen Mann, der dieses Amt ausführt und seine Stellvertreterin ist eine Frau. Ich kann mir vorstellen, wie das ablief:

Kollege 1: Wir benötigen einen Gleichstellungsbeauftragten.

Kollege 2: Hm, das muss intern besetzt werden.

Kollege 3: Wer käme dafür in Frage?

Kollege 2: Kollege XY, vielleicht.

 

Zur Abstimmung ist dann eine Handvoll ranghoher, männlicher Beamter zusammengekommen, die sich danach schulterklopfend darüber freuten, dass es jetzt auch bei der Feuerwehr einen Gleichstellungsbeauftragten gibt. (Bitte klären Sie mich auf, falls es anders abgelaufen ist. Ich freue mich, wenn ich in diesem Fall falsch liegen sollte.)


Die weibliche Perspektive verstehen

Warum ich das hier kritisch hervorheben möchte? Um die weibliche Perspektive verstehen zu können, muss Mann sie entweder selbst erlebt haben oder durch jahrelange Zusammenarbeit quasi-erlebt haben. Wobei auch das sehr schwer ist. In einem sehr männlich dominierten Arbeitsumfeld wie der Feuerwehr gibt es per se wenig Frauen. Der Eignungstest ist körperlich belastend und das muss er auch sein, denn das Feuer entscheidet schließlich nicht, ob ein Mann oder eine Frau es löscht. Allerdings ist nicht jeder Feuerwehrmann auch auf einer der Wehren stationiert. Der Gleichstellungsbeauftrage beispielsweise. Es ist ja nicht sein Job Feuer zu löschen. Stattdessen muss er sich damit auseinandersetzen wie er den Alltag und das Arbeitsklima bei der Feuerwehr für Frauen und Minderheiten gleichgestellt ermöglicht. Aber kann Mann das ohne tatsächlich zu verstehen, was es bedeutet eine Frau unter Männern zu sein? Kann Mann das, wenn er per se durch Geschlecht und Herkunft bisher Privilegien nutzen konnte, ohne dafür kämpfen zu müssen, für diese ebenfalls berechtigt zu sein? Von den 86 Freiwilligen Feuerwehren in Hamburg wird eine von einer Frau geleitet. Es gibt Wehren, die haben lange Zeit gar keine Frauen oder andere Minderheiten zugelassen. 

Reden wir einmal über die Unternehmenskultur

Warum? Eine weibliche Perspektive auf die Dinge ist angemessen. Insbesondere wenn es weibliche Belange betrifft. Das hat viel mit der Kultur und dem Miteinander innerhalb eines Unternehmens zu tun. Klar, die Feuerwehr ist kein Unternehmen im eigentlichen Sinn, aber dennoch sind veraltete Hierarchieformen und Strukturen nicht förderlich, um alle Geschlechter anzuwerben oder sich zukünftig mit Diversität brüsten zu können. 

Wahrscheinlich gab es einfach keine Frau, die in der Positon gewesen wäre über einen Gleichstellungsbeauftragten mitzuentscheiden oder sich tatsächlich auf die Stelle zu bewerben. Dann sollten wir aber auch mal über Veränderung der Unternehmenskultur und damit einhergehend das Wertesystem sprechen. Hätte Mann vielleicht unkonventionell ja out of the Box gedacht und eine Frau für die Belange einer Frau eingestellt, dann wäre das schon krass gewesen. Einfach mal so, als Zeichen. Eine sichtbare Frau ist ein Vorbild oder „Rolemodel“, eine unsichtbare Frau ist Teil einer Statistik. 

Was ist nun mit der wohlgemeinten Gleichstellung?

2020 gab es zum Weltfrauentag einen Frauentag bei der Feuerwehr. Ein Ganzer Zug bestehend aus Frauen von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr. Frauen in der Feuerwehr sind gleichgestellt, war wohl die hintergedankliche Aussage. Schaut, es gibt auch Frauen bei uns. Außerdem suchen wir händeringend nach weiblichem Nachwuchs. Schade nur, dass trotz der ganzen Publicity das erste Löschfahrzeug dann doch von Männern besetzt wurde. Es hätte ja sonst was schiefgehen können.

Nett gemeint, ist halb gewollt. Die Gleichstellung von Mann und Frau auch in der Feuerwehr ist noch ein weiter weg.  Denn gleichgestellt sind Feuerwehrfrauen wohl erst, wenn Mann Frau diese Plattform nicht geben muss, um zu zeigen, dass sie gleichberechtigt sind. Dann sind sie gleichgestellt. Vielleicht ist das ein Wirkungsraum für den Gleichstellungsbeauftragten bei der Feuerwehr.

Ich unterstütze auch gerne dabei 😉

Habt einen wundervollen Start in die Woche,

eure Zita

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Kommentare: 3
  • #1

    Christian Theierl (Dienstag, 04 Mai 2021 16:06)

    Liebe Zita,
    ich finde es super, dass du dich mit dem Thema Gleichstellung bei der Feuerwehr beschäftigst. In deinem Eintrag zeichnest du leider ein Bild über die Gleichstellungsarbeit in der Feuerwehr Hamburg, die nicht der Realität entspricht. Das finde ich sehr schade, denn ich bin der beschriebene Gleichstellungsbeauftragte. Wir können uns sehr gerne zu dem Thema austauschen. Wenn du magst und die Corona-Situation es ermöglicht, kannst du mich gerne in der täglichen Arbeit als Gleichstellungsbeauftragter auch begleiten.

    Du hast grundsätzlich Recht. Hauptaufgabe der Gleichstellungarbeit in der Feuerwehr ist ein Veränderungsprozess zu initiieren und immer weiter voranzutreiben. Bei einigen gilt die Feuerwehr als letzte Männerdomäne. Entsprechend schwierig ist diese Veränderung herbeizuführen.
    Da dieser Veränderungsprozess schwierig ist und eine breite Unterstützung benötigt, wurde die Gleichstellungsbeauftragung durch ein Votum der Mitarbeitenden der Feuerwehr Hamburg gewählt und nicht durch eine Handvoll ranghoher, männlicher Beamter ausgesucht. Ich bin dankbar, dieses Amt inne zu haben und ich kann sagen, dass es kein leichter Job ist. Das Hamburgische Gleichstellungsgesetz ist ein „Apellgesetz“ und gibt nicht viele Werkzeuge an die Hand. Von daher bin ich sehr glücklich darüber, dass es eine sehr gute Unterstützung seitens der Amtsleitung gibt, die Veränderungen in die Organisation zu bringen.

    Bei einer Sache hast du vollkommen Recht, die Sicht der Frauen, das Erleben im täglichen Umgang, als Minorität in einer „Männerdomäne“ fehlt mir persönlich. Aber ich bin sehr gut vernetzt und unterhalte mich mit sehr vielen Kolleginnen. Zusätzlich verstehen wir uns als Team Gleichstellung. Die Vertretungsregelung ist Nebensache. Somit bilden wir in unserem Team die männliche und weibliche Sichtweise ab. Außerdem haben wir den Plan ein Frauennetzwerk zu gründen. Leider ist uns die Pandemie, mit seinen Auswirkungen auf das Miteinander in der Organisation, dazwischen gekommen. Feuerwehr ist eine kritische Infrastruktur. Eine Netzwerkgründung mit einem hohen Socialising Anteil war bisher nicht möglich. Aber das werden wir alsbald nachholen.

    Zuviele Zeichen... Fortsetzung im zweiten Beitrag

  • #2

    Christian Theierl (Dienstag, 04 Mai 2021 16:07)

    Fortsetzung:
    Zum Rolemodel Aspekt möchte ich sagen, dass meine Stellvertreterin ein absolutes Rolemodel ist. Sie hat bei der Feuerwehr Hamburg als Rettungsdienstpraktikantin der Bundeswehr begonnen. Seitdem kennen wir uns. Sie ist zur Feuerwehr in den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst gewechselt. Später hat sie den prüfungsgebundenen Aufstieg in den gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst absolviert und ist jetzt Zugführerin. Zusätzlich ist Sie für die praktische Ausbildung unserer Notfallsanitäter und Notfallsanitäterinnen verantwortlich.

    Vielleicht noch etwas zu den Veränderungen. Mittlerweise sind über 100 Frauen im Einsatzdienst der Feuerwehr Hamburg beschäftigt. Die meisten im Rettungsdienst. Für den Zugang in den feuerwehrtechnischen Dienst wurde der Einstellungstest mit der Sporthochschule Köln geschlechtergerechter gestaltet. Dafür wurden sämtliche Teststationen auf den Prüfstand gestellt. Die Mitarbeiterinnen im feuerwehrtechnischen Dienst werden stetig mehr, auch weil die handwerkliche Ausbildung als Grundvoraussetzung für die feuerwehrtechnische Laufbahn abgeschafft wurde. Hinzu kommt, dass sich das Bild der Feuerwehr als reine Männerdomäne langsam wandelt.

    Dann noch ein Wort zum Weltfrauentag 2020. Die Feuerwehr Hamburg hat zum Weltfrauentag ein Löschfahrzeug der Berufsfeuerwehr und ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr ausschließlich weiblich besetzt. Ein super toller Tag für alle Beteiligten. Viele Kolleginnen und Kameradinnen haben berichtet, dass ein Traum für sie wahr wurde. Wir sind stolz das erste Mal in Hamburg und für die Berufsfeuerwehr, das erste Mal bundesweit, Löschfahrzeuge ausschließlich weiblich besetzt zu haben. Richtet sich deine Kritik an den Umstand, dass es sich um das sogenannte zweite Löschfahrzeug an der Wache handelte? Dann kann ich dir sagen, dass es nichts mit einer Wertigkeit der Fahrzeuge zu tun hat. Die Fahrzeuge wurden zusätzlich an der Feuerwache Berliner Tor in Dienst genommen. Für die Stammbesatzung der Wache gibt es verbindliche Dienstpläne und das sogenannte Löschfahrzeug 1 ist das Stammfahrzeug der Wache, also blieb es bei der Bezeichnung. Das Löschfahrzeug 2 hat in dem Fall sogar den Vorteil, dass es als zusätzliches Löschfahrzeug die umliegenden Löschzüge im Brandfall personell aufstockt und somit eine höhere Einsatzanzahl zu bewältigen hat.
    Hier ein Bericht über den Weltfrauentag 2020 in der Mitarbeiterzeitschrift Löschblatt, Seite 22ff
    https://www.hamburg.de/contentblob/13843976/4da111d90781713631b4e46cb8778648/data/loeschblatt-79.pdf
    Auch hier wurde mehr Augenmerk auf den internen Veränderungsprozess gelegt, als auf einen Publicity Effekt. Intern hat die Besetzung eines Löschfahrzeuges mit Feuerwehrfrauen dazu geführt, dass zum Thema Gleichstellung und Gleichberechtigung diskutiert wurde. Einen Prozess, der bei der Polizei ähnlich war, als der erste Streifenwagen mit zwei Polizistinnen besetzt wurde. Ein starkes Zeichen der Gleichberechtigung von Frauen im Einsatzdienst der Feuerwehr.

    Recht hast du mit der Aussage, dass fünf weiße Männer ein Statement gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie unterschrieben haben. Das Statement war und ist richtig und wichtig. Haltung zu zeigen ist, damals als Reaktion auf die Vorfälle in der Feuerwehr Bremen, ein wichtiger Bestandteil unserer Antidiskriminierungsstrategie. Ab sofort wirst du ähnlich gelagerte Statements sehen, die von vier weißen Männern und einer weißen Frau unterschrieben werden. Nicht als Reaktion auf deine Kritik, sondern weil die Veränderung in der Feuerwehr Hamburg stattfindet. Der Personalratsvorsitz ist derzeit weiblich besetzt. Die Veränderung ist ein Prozess und er hat unaufhaltsam begonnen. Dafür arbeite ich als Gleichstellungsbeauftragter. Und die Veränderung bezieht sich nicht nur auf die Dimension „Geschlecht“. Wir arbeiten daran, zukünftig nicht nur weiße Menschen als Unterschreibende in unseren Reihen zu finden. Feuerwehr ist Vielfalt.

    Wenn du möchtest können wir uns sehr gerne persönlich austauschen. Ich bin über jede Unterstützung und auch konstruktive Kritik offen und glücklich. Auch andere Mitlesende können sich gerne bei mir melden, um mehr über die Gleichstellungsarbeit bei der Feuerwehr Hamburg zu erfahren.
    Mit besten Grüßen,

    Christian Theierl
    Gleichstellungsbeauftragter der Feuerwehr Hamburg
    christian.theierl@feuerwehr.hamburg.de


  • #3

    Zita (Dienstag, 04 Mai 2021 16:19)

    Lieber Christian,
    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Das habe ich nicht erwartet und freut mich umso mehr. Es freut mich zu hören, wie viele Fortschritte deine Arbeit als Gleichstellungsbeaufragter macht und ihr es Frauen ermöglicht immer mehr Anteil an der Feuerwehr zu haben. Ich freue mich über einen direkten Austausch. Du darfst eine E-Mail von mir erwarten.

    Meine Kritik an dem zweiten Löschfahrzeug bezog sich insbesondere auf die Außenwirkung. Ich fand die Idee großartig, zu zeigen, dass auch Frauen bei der Feuerwehr sind. Natürlich haben beide oder in dem Fall alle drei Löschfahrzeuge andere Aufgaben und sind daher anders einsetzbar. Dennoch wirkt die Nummer 1 - rein aus dem sprachlichen Gebrauch her - wichtiger. Unabhängig davon, ob dies tatsächlich intern so gewichtet ist.

    Vielen Dank auch dafür, dass du auch meine Leser an dieser Stelle aufklärst. Insbesondere von außen ist es manchmal schwer zu erkennen, inwiefern die Informationen, die man finden kann, auch auf die zu getätigten Rückschlüsse zu treffen. Umso wichtiger ist deine Nachricht für mich.

    Mit den besten Grüße
    Zita