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Maschinenbau, und das als Frau!

Als ich anfing zu arbeiten, führte die Assistenz meines damaligen Chefs mich über das Gelände. Ich hatte es schon vorher an unterschiedlichster Stelle gehört, aber dieses Mal ist mir mehr in Erinnerung geblieben. Die Aussage: „Wow, Maschinenbau, und das als Frau!“

 

Lassen wir das mal eben kurz sacken und überlegen uns, was damit gemeint sein könnte. Zunächst einmal muss ich feststellen, mein Gehirn funktioniert wie ein männliches Gehirn. Ich erlerne Dinge und wende sie an. Manches erkläre ich mir selber, durch bereits verknüpftes Wissen. Manches begreife ich durch Nachlesen oder durch kommunizierte Erklärungen. Ich bin mir sicher, das kommt vielen bekannt vor. Denn schließlich funktioniert das weibliche Gehirn genauso wie das männliche. Also kann sie das nicht gemeint haben.

 

Daher kam meine typische Standardantwort: „Ich glaube nicht, dass das Studium für Frauen schwerer ist als für Männer…“

Ich versuchte zu ergründen, was genau mich als Frau von meinen männlichen Kommilitonen unterschieden hat. Wenn ich zurückdenke, dann wohl vorrangig, dass ich in den meisten Lerngruppen nur mit Jungs zusammensaß. Ich war halt eine von wenigen und nicht wie die Jungs einer von vielen. Was auch dazu führte, dass ich seltener bis gar nicht mehr tagsüber hohe Schuhe getragen habe. Ich fiel eh schon auf, ich wollte nicht noch mehr Fokus auf mich richten. Aber das hätte mir auch in anderen Studienfächern passieren können. Also, nochmal zurück zum Thema Maschinenbau.

 

Warum ist es auch heute oftmals bewundernswert, wenn Frau etwas technisches studiert? Wieso wird überrascht reagiert, wenn Frau sagt, ich habe Maschinenbau oder Elektrotechnik studiert? Das liegt bestimmt auch an den vielen Stereotypen, die überall vorherrschen. Auch ich war anfangs vollgesogen damit. So habe ich mich bewusst für eine Uni in einer Großstadt entschieden. Meine Sorge war, dass ich in der Uni nur mit Jungs abhängen muss, weil es einfach keine Mädchen in meinem Studiengang gibt. In einer Großstadt könnte ich dann irgendwo Mädchen kennen lernen, die ähnliche Interessen haben wie ich. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Einige meiner heute besten Freundinnen habe ich während des Studiums getroffen. Bin mit ihnen durch dick und dünn gegangen. Habe bei jeder Klausur mitgezittert und bin stolz auf das, was wir geleistet haben. Genauso habe ich auch tolle männliche Freunde gefunden. Jungs, die mich einfach anerkannt haben, wie ich war. Als eine der ihren. Die Sprüche wurden rauer, vielleicht einfach männlicher. Keine Ahnung, ich bin ja nie als Junge mit Jungs allein. Wie gesagt, ich war meist das einzige Mädchen in den Lerngruppen. Ich hab mich dran gewöhnt. Es war für mich normal.

 

Es sollte immer bewundernswert sein, wenn jemand den eigenen Weg verfolgt und das macht, was sie oder ihn glücklich macht. Hätte ich eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht oder ein Instrument zu meiner Profession auserwählt, wäre das auch bewundernswert. Vielleicht passiert das einfach nur häufiger. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Frauen in diesen Berufsgruppen präsent sind. Wir werden uns auch daran gewöhnen, dass wir Ingenieurinnen werden und Maschinenbau studieren. Und irgendwann wird das ganz normal sein. 

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