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Wann beginnt eigentlich die Erziehung des Mannes?

Unaufgeräumter Arbeitsplatz in Küche

Nach längerer Dienstreise bin ich Freitag spät abends wieder nach Hause gekommen. Daher habe ich am Samstag ganz früh morgens Wäsche gewaschen und sie kurze Zeit später aufgehängt. Mein Freund war schon auf zu einem Lehrgang und ich war mit seiner Mutter und ihrem Partner zum Hochzeitsanzug kaufen verabredet. Ich war noch beim Aufhängen der Wäsche, als es klingelte. Also ließ ich die beiden rein und entschuldigte mich dafür, dass ich noch nicht ganz fertig geworden sei. Aber ich war ja die ganze Woche auf Dienstreise und mein Freund (ihr Sohn) hätte es trotz meiner Bitte vergessen, die Wäsche zu machen. Daraufhin kam von ihr nur ein: „Gewöhn dich dran, dass Männer im Haushalt nichts machen.“ Ich schaute sie an, erstarrt in meiner Bewegung und erwiderte nur: „Nein. Er hat sich dran zu gewöhnen, dass er was tun muss.“

 

Und er hat sich dran gewöhnt. Für ihn ist es heute und war es auch damals selbstverständlich, dass er die Klos putzt, wenn auch nicht in meinem Rhythmus, einkaufen geht, den Müll runterbringt oder halt mal die Wäsche in den Trockner tut. (Den wir mittlerweile haben.) Wir haben unseren Haushalt so aufgeteilt, dass er mir ständig den Kochlöffel abnimmt und seinen Platz vorm Herd einnimmt, obwohl ich das ebenso gerne tue wie er. Dafür putzt er aber auch die Kochplatte. Er braucht halt einfach nur Erinnerungen, dass es gemacht werden muss. Insbesondere das Wäsche waschen, was zumeist meine Aufgabe ist.

 

Vielleicht habt ihr auch schon mal gehört, dass die Erziehung eines Mannes erst beginnt, wenn Mann und Frau zusammenwohnen. Oder dass Frau Mann gut erzogen hat, wenn er ihr „gehorcht“ und mit ihr nach Hause geht statt noch weiter zu feiern. Oder dass Mann unterm Pantoffel steht, wenn er im Haushalt hilft. All diese Stereotypen und Stigmata, dumme Sprüche, die den letzten Rest Männlichkeit versuchen in Würde aufrecht zu halten, oftmals mit dem Hintergrund eine Beziehung von außen zu beurteilen.

 

Die Erziehung eines Mannes sollte von Statten gehen, wenn er jung ist. An ihn sollte sowohl in der Schule als auch im Haushalt derselbe Maßstab angelegt werden wie Frau ihn an sich selbst und ihre Töchter legt. Wäsche machen oder kochen sind beides keine Frauenaufgaben. Wenn Frau das übernehmen möchte, dann soll sie das bitte tun. Wenn Mann das machen möchte, dann soll er das bitte tun. Was ist denn das Problem?

 

Ich werde mich niemals daran gewöhnen, dass ich Dinge zu tun habe, Jobs nicht bekomme oder anders behandelt werde, nur weil ich eine Frau bin. Ich bin emanzipiert genug, um Hilfe zu erfragen, wenn ich sie brauche. Ich bin emanzipiert genug, um die Dinge zu tun, die ich tun will, wann ich sie tun will.

Ich verstehe einfach nicht, wie Frau sich ärgern kann, dass Männer nicht im Haushalt helfen, aber es dann nicht versuchen zu verändern. Einfache Akzeptanz führt zu Erlaubnis. Das ist wie bei kleinen Kindern. Lässt Frau den Fehler durchgehen, machen sie es das nächste Mal genauso.

 

Wenn ich irgendwann einen Sohn haben sollte, dann werde ich ihm das auch so mitgeben, er wird kochen und putzen lernen dürfen. Ebenso werde ich meiner Tochter die Bohrmaschine in die Hand drücken. Einfach, damit sie es kann und sich nicht erst Hilfe suchen muss. Gleichstellung funktioniert in beide Richtungen. Frau kann sich nicht auf der einen Seite darüber aufregen und auf der anderen Seite in Ihrer Macht stehende Veränderungen nicht unternehmen.

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